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Bereits jetzt sind schon 3,6 Milliarden Menschen weltweit hochgradig gefährdet. Das Zeitfenster für effektives Handeln schließt sich. Der Anstieg von Wetter- und Klimaextremen hat jetzt schon einige irreversible Folgen bewirkt.

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Was ist der IPCC?

Der IPCC (Weltklimarat) ist mehr als dreißig Jahre alt und ein einzigartiges Projekt in der Wissenschaftsgeschichte: Tausende Forscher*innen finden sich alle paar Jahre zusammen, um gemeinsam (ehrenamtlich!) einen Bericht über den Erkenntnisstand in ihrem Fachgebiet zu schreiben. Sämtliche Arbeitsdokumente werden kostenlos ins Internet gestellt.

Die bisherigen Sachstandsberichte wurden 1990, 1995, 2001, 2007 und 2013/14 veröffentlicht. Als erster Teil des 6. Sachstandsberichts wurde im August 2021 der Bericht der Arbeitsgruppe I vorgestellt, der den aktuellen naturwissenschaftlichen Erkenntnisstand darstellt.

Am 28. Februar 2022 stellte die Arbeitsgruppe II ihren neuen Sachstandsbericht vor. Er beinhaltet „Folgen, Anpassung und Verwundbarkeiten“, die in diesem Artikel behandelt werden. Der dritte Teil (Bewältigung des Klimawandels) soll noch im Jahr 2022 erscheinen.

Ergebnisse des 6. Berichts des IPCC

Die Anfälligkeit von Ökosystemen und Menschen gegenüber dem Klimawandel unterscheidet sich sowohl von Region zu Region als auch innerhalb der einzelnen Regionen erheblich. Etwa 3,5 Milliarden Menschen leben unter besonders klimawandelanfälligen Bedingungen. Die Anfälligkeit des Menschen und von Ökosystemen sind wechselseitig verbunden. Die gegenwärtig vorangetriebenen nicht nachhaltigen Entwicklungsmuster setzen sowohl das Ökosystem, als auch den Menschen zunehmend den Gefahren des Klimawandels aus.

Das IPCC hat 127 Schlüsselrisiken identifiziert, unter anderem die Zunahme an Hitzetoten, den Anstieg der Schäden durch Hochwasser und die verminderte Bewohnbarkeit bestimmter Regionen. Der Bericht macht einmal mehr deutlich, dass wir auf vielen Ebenen menschlichen Lebens mit drastischen Risiken werden leben müssen, wenn wir die Erderwärmung nicht begrenzen.

Brände, Überschwemmungen und andere Extremwetterereignisse: Die Folgen der Erderwärmung sind deutlich zu sehen. Der Zeitraum, das Ruder noch herumzureißen, ist laut Weltklimarat begrenzt. Nach dem Meeresbiologen und IPCC-Mitglied Hans-Otto Pörtner befindet sich die Welt im entscheidenden Jahrzehnt für den Umgang mit dem Klimawandel. Die angehäuften wissenschaftlichen Belege sind eindeutig: Der Klimawandel ist eine Bedrohung für das Wohlergehen des Menschen und die Gesundheit des Planeten.

 

Immer mehr Menschen flüchten vor extremen Wetterereignissen und Meeresspiegelanstieg

In der Wissenschaft besteht mittlerweile ein Konsens, dass der Meeresspiegelanstieg sowie Wetter- und Klimaextreme „mittel- bis langfristig“ mehr Menschen dazu zwingen werden, ihre Heimat zu verlassen. Vor dem Hintergrund des voranschreitenden Klimawandels gibt es somit keine Zweifel an einer Zunahme klimabedingter Vertreibungen.

Im Bericht wird erstmals aufgezeigt, wie vielfältig sich Klimawandelfolgen gegenseitig beeinflussen werden. Geringere Ernteerträge in tropischen Regionen, verschärft durch eine hitzebedingt geringere Arbeitsproduktivität der ländlichen Bevölkerung führen zu höheren Nahrungsmittelpreisen und Gesundheitsrisiken durch Mangelernährung.

 

Räumliche Verteilung von Klimawandelfolgen

Menschen mit geringem ökonomischem Spielraum leben häufig in einer besonders geschädigten Umwelt, die weiterhin stark vom Klimawandel betroffen ist. Das hat Auswirkungen auf die Anpassungsmöglichkeiten bestimmter Gruppen, denn diese sind sehr ungleich verteilt. Dies ist vor allem auch eine Frage der Verteilungsgerechtigkeit.

Es wurden global zwar bereits einige Maßnahmen gegen Klimawandel gesetzt, aber die gegenwärtigen Anstrengungen reichen bei weitem nicht aus, um bestehende Klimawandelauswirkungen und zukünftige Risiken zu bewältigen.

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Notwendige Maßnahmen

UN-Generalsekretär António Guterres warf der internationalen Gemeinschaft vor, die Klimakrise immer noch nicht ernst genug zu nehmen. „Dieser Verzicht auf Führung ist kriminell“, erklärte Guterres. Die weltgrößten Emittenten von Treibhausgasen machten sich „der Brandstiftung an unserem einzigen Zuhause schuldig“. Es ist nun dringend erforderlich, politische Maßnahmen zur massiven Drosselung des Treibausgasausstoßes zu setzen, um Gefahr für Leib und Leben so weit wie noch möglich abzuwenden.

Nötig sind nach Überzeugung der Wissenschaft auch Umwälzungen des Lebenswandels: weniger Fleischverzehr etwa, weil für das Weiden riesige Agrarflächen gebraucht und oft Wälder gerodet werden, die klimaschädliches CO2 aufnehmen könnten. Oder auch: Radfahren statt Autofahren, Zugfahren statt Fliegen, oder Produkte länger nutzen (Reparieren statt wegschmeißen!). Abfälle können am besten durch bewusstes Einkaufen vermieden werden, dafür gibt es verschiedene Strategien, Stichwort Konsumpyramide.

Fakt ist, dass Anpassung und Minderung des Klimawandels für die Welt deutlich billiger sind, als die Folgen der Klimakrise.

Faktenblatt – Auswirkungen des Klimawandels und Risiken in Europa

Im Bericht des IPCC werden Auswirkungen und Risiken des Klimawandels für alle Kontinente analysiert. Europa steht vor einer historischen Herausforderung und hat in den nächsten Jahrzehnten vor allem mit diesen Risiken zu kämpfen:

  • Mortalität von Menschen und Veränderungen von Ökosystemen aufgrund von Hitze
  • Hitze- und Trockenstress für Nutzpflanzen (Gefahr für die Biodiversität)
  • Wasserknappheit
  • Überschwemmungen und Anstieg des Meeresspiegels

Psychosoziale Effekte

Die Klimakatastrophe hat tiefe Auswirkungen auf Ökosysteme, die Biodiversität und auf vielfältige Wirkungspfade wie Ernährung, Gesundheit und einer wachsenden sozialen Krisenangst. So schlägt sich die gegenwärtige Klimaerwärmung auch mental nieder: Vor allem in Bezug auf ‚psychosoziale‘ Effekte wird konkret dargestellt, dass die Klimakrise einen starken negativen Einfluss auf die mentale Gesundheit haben wird – weltweit und vor allem bei vulnerablen Gruppen wie Kindern, Jugendlichen, aber auch Älteren und Vorerkrankten. Sogenannte Klimaangst findet sich heute schon bei vielen jungen Menschen weltweit und ein Hauptziel muss sein, dass diese völlig rationale psychologische Reaktion die Politik weltweit endlich zum radikalen Handeln und Umdenken in Richtung einer enkeltauglichen Gesellschaft und Wirtschaft führt!

Conclusio

Die globale Erwärmung, die bereits in naher Zukunft 1,5 °C erreicht, wird zu einem unvermeidbaren Anstieg mehrerer Klimagefahren führen und eine Vielzahl von Risiken für Ökosysteme und Menschen bewirken. Wie hoch das Risiko dafür ausfällt, hängt davon ab, welche kurzfristigen Maßnahmen bei Anfälligkeit, Exposition, sozioökonomischen Faktoren und der Anpassung an den Klimawandel gesetzt werden. Kurzfristige Klimaschutzpfade, die die globale Erwärmung auf etwa 1,5 °C begrenzen, würden die prognostizierten klimawandelbedingten Verluste und Schäden im Vergleich zu einer stärkeren Erwärmung erheblich reduzieren, jedoch nicht vollständig beseitigen.

Der IPCC Bericht beinhaltet 18 Kapitel auf über 3000 Seiten und wird in etwa alle 6 Jahre jeweils in drei Teilen veröffentlicht. Die Themen dieser 18 Kapitel überschneiden sich zu einem großen Teil auch mit den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (Armut, Sauberes Wasser, Gesundheit etc), aber auch mit Biodiversität, kleine Inseln, den fünf Kontinenten, Schlüsselrisiken, Ozeanen und einige mehr. Im Folgenden haben wir weiterführende Links zum detaillierten Bericht, zu allen 18 Kapiteln, aber auch zur Pressekonferenz des IPCC aufgelistet.