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In unserer Gesellschaft wird Technik oft mit Männern und Männlichkeit assoziiert. Fächer wie Maschinenbau gelten als männliche Domäne, während beispielsweise Textildesign eher weiblich konnotiert ist. Dabei sind die technischen Anforderungen in beiden Bereichen vergleichbar: Doch wir nennen Textildesign nicht Technik, weil Stoffe nicht unserem Bild von männlicher Technik entsprechen.

Design und Symbolik
Geschlechterstereotypen spiegeln sich auch im Design von Geräten wider. „Männliche Geräte“ werden oft dunkel, matt, in Schwarz und Grün gehalten, mit vielen Knöpfen und Schrauben. Sie symbolisieren Gefahr und Macht. Im Gegensatz dazu sind „weibliche Geräte“ hell, glatt, abgerundet, mit weniger Optionen. Sie wirken freundlich und unterstützend.

Das Marketing verstärkt diese Klischees, die Designsprache findet sich auch in der Benennung „Elektrowerkzeug“ vs. „Haushaltshilfe“: Der Mann bohrt, sägt, hämmert und erschafft, die Frau erledigt bloß den Haushalt mit technischer Unterstützung. Während männlich codierte Geräte die „Beherrschung“ der Technik, die mit Macht und Kontrolle assoziiert wird betonen, dienen weiblich codierte Geräte lediglich der „Bedienung“, also der Assistenz im Haushalt.

Beispiel: Mega Hurricane Mixer und Drill Dolphia (Rendering / Bildsynthese)
Beispiel: Mega Hurricane Mixer und Drill Dolphia (Rendering / Bildsynthese)

Die Designerin Sabine Ehrnberger kritisiert in ihrer Analyse die geschlechtsspezifischen Stereotype, die in der Gestaltung und Vermarktung von Haushaltsgeräten zum Ausdruck kommen.

Sie deckt mit ihrer Bildsynthese (die Geräte wurden so nicht produziert) von einem Stabmixer und einer Bohrmaschine auf, wie Haushaltsgeräte durch Design und Vermarktung geschlechtsspezifische Rollenbilder verfestigen, indem sie geschlechterstereotypisches Design umdreht. Der Mega Hurricane Mixer suggeriert Stärke und technische Kompetenz, während die Drill Dolphia auf Ästhetik und einfache Handhabung abzielt.

Mega Hurricane Mixer: Ein Pürierstab in Dunkelgrün und Matt mit einem orangefarbenen Einschaltknopf. Er wirkt schwer und klobig und könnte im Werkzeugkasten neben Bohrmaschine und Kettensäge liegen. Das Design ist kantig, wuchtig, maskulin. Eine Werbung dafür könnte den Fokus auf Kraft, Leistung und Effizienz legen. Die Zielgruppe ist eindeutig auf Männer ausgelegt.

Drill Dolphia: Eine Bohrmaschine in Weiß und Hellblau, glatt, abgerundet, „niedlich“, ohne Ecken und Kannten, mit einem verspielten Schriftzug. Sie erinnert an einen Delfin und wirkt harmlos und freundlich. Leichtigkeit, Bedienungsfreundlichkeit und Design wird fokussiert, Zielgruppe ist auf Frauen ausgerichtet.

Männliche technische Geräte sind "Powertools", weibliche bloß "Assistants": Wir sprechen von "Elektrowerkzeug" und "Haushaltshilfen", wobei jeder:m sofort klar ist, was welchem Geschlecht zuzuordnen ist.

 

Die Folgen
An diesem einfachen Design-Experiment lässt sich eindrücklich zeigen, wie sehr technische Geräte auf den Mann genormt sind:  Das Männliche wird als Norm wahrgenommen, das Weibliche als Abweichung. Ein weiterer Aspekt ist die Wertigkeitkeit: Männlich codierte Produkte nehmen wir oft als hochwertiger wahr als weiblich kodierte Produkte, die billig wirken. Diese unterschiedliche Wertigkeit geht weit über die Produktpaletten von Baumärkten, Haushaltswarengeschäften etc. hinaus. Es betrifft Kleidung, weibliche Arbeit, Entlohnung, Talent bis hin zum Wert, den wir weiblichem Leben beimessen. Diese Stereotypen beeinflussen unser Selbstbild und unsere Geschlechterrollen.

 

Fazit
Technik ist geschlechtsneutral, wie aber Geräte vermarktet werden und wie sie dadurch den Zugang erleichtern oder erschweren ist nicht geschlechtsneutral. Design und Marketing spielen eine wichtige Rolle dabei, wie wir Technik wahrnehmen und mit ihr umgehen. Dieses Geschlechter-Marketing bewirkt etwas, dass man in der Soziologie „Othering” nennt: Durch künstlich hervorgehobene Unterscheidung wird eine Andersartigkeit erzeugt, die sich dann auch auf das Selbstbild und auf die Geschlechterrollen rückkoppeln lässt. Indem wir diese Mechanismen verstehen, müssen wir sie hinterfragen und eine vielfältigere und gerechtere Technikwelt gestalten.

Aus: Endler, Rebekka (2021). Das Patriarchat der Dinge. Warum die Welt Frauen nicht passt. Dumont Buchverlag.

 

Weitere Beispiele für "Patriarchat der Dinge"

Städteplanung: Städte sind oft nach den Bedürfnissen von Männern gestaltet, mit langen Fußwegen zwischen Wohn- und Arbeitsstätten, die für Frauen mit Care-Arbeitspflichten besonders belastend sind.

Produkte: Alltagsgegenstände wie Werkzeuge, Möbel und sogar Kleidung sind auf die Ergonomie und die Körpergröße von Männern ausgelegt, was für Frauen die Benutzung erschweren kann.

Technik: Technische Geräte und Software werden oft mit einem Fokus auf männliche Interessen und Nutzungsweisen entwickelt, z. B. mit Fokus auf Geschwindigkeit und Leistung statt auf Benutzerfreundlichkeit und Multitasking.

 

 

Zusätzliche Veranschaulichungen und weiterführende Literatur

 

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